Ratgeber

Kill Switch und Lecks: DNS, WebRTC, IPv6

Ein Kill Switch blockiert sämtlichen Internetverkehr in dem Moment, in dem der VPN-Tunnel abreißt — Apps können also nicht stillschweigend auf Ihre normale Verbindung zurückfallen. Ohne ihn legt schon ein zweisekündiger Abbruch Ihre echte IP-Adresse offen. Und selbst bei stehendem Tunnel können DNS-Anfragen, WebRTC im Browser und IPv6-Verkehr daran vorbeisickern. Für jedes Leck gibt es einen einfachen Test und eine Lösung.

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Ein abgerissener Tunnel fällt offen aus

Bricht eine VPN-Verbindung ab, routet das Betriebssystem den Verkehr leise über die normale Schnittstelle. Apps laufen weiter, und nichts warnt Sie. Ein Kill Switch macht aus fail-open ein fail-closed: kein Tunnel, kein Verkehr.

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Lecks passieren bei stehendem Tunnel

DNS-Anfragen können außerhalb des Tunnels zum Resolver Ihres Providers gehen, WebRTC kann Websites Ihre Adressen aushändigen, und IPv6 kann einen reinen IPv4-Tunnel umgehen — alles, während das VPN-Symbol „verbunden“ meldet.

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Jedes Leck ist testbar

Sie müssen keinen Einstellungsbildschirmen glauben. Ein Leak-Test zeigt, welche Adressen und Resolver Websites tatsächlich sehen — und wer den Tunnel absichtlich kappt, sieht, ob der Kill Switch hält.

Was in dem Moment passiert, in dem der Tunnel abreißt

Die Verbindung fällt offen aus. Ein VPN legt Routen an, die den Verkehr in eine virtuelle Netzwerkschnittstelle lenken. Stirbt der Tunnelprozess oder läuft er in einen Timeout, verschwinden diese Routen — die Standardroute über WLAN oder Ethernet bleibt aber bestehen. Das System stellt also weiter Pakete zu, jetzt direkt über Ihren Provider. Apps verbinden ihre Sockets binnen Sekunden neu und senden von Ihrer echten IP — ohne dass irgendwo ein Fehlerdialog auftaucht.

Abbrüche sind Alltag. Der Wechsel von WLAN zu Mobilfunk, ein Laptop, der aus dem Schlaf erwacht, ein wackliges Hotelnetz oder ein Neustart des VPN-Servers — all das reißt den Tunnel für einen Moment ab. Was dieser Moment kostet, hängt davon ab, ob Ihr Gerät währenddessen überhaupt etwas senden darf.

Was ein Kill Switch tatsächlich tut

Ein Kill Switch ist ein Satz Firewall-Regeln, keine Magie. Die strenge Variante erlaubt nur zwei Arten ausgehenden Verkehrs: Pakete, die in die Tunnelschnittstelle laufen, und die eigenen verschlüsselten Pakete des VPN-Clients zum Server. Fällt der Tunnel, hat Anwendungsverkehr schlicht kein Ziel mehr, bis er zurückkommt.

Das ändert den Fehlermodus, es verhindert keine Fehler. Mit Kill Switch wird ein Abbruch zu einer pausierten Verbindung, die Sie bemerken; ohne ihn zu Verkehr auf Ihrer echten Adresse, den Sie nicht bemerken. Netze sind unvollkommen, der Tunnel wird wieder reißen — fail-closed macht diese Momente harmlos.

System-Kill-Switch oder Schalter in der App

Der Unterschied zeigt sich, wenn die App selbst stirbt. Ein Kill Switch in der App ist Code im VPN-Client, der den Tunnel beobachtet und den Verkehr blockiert, wenn er abreißt. Er wirkt nur, solange der Client läuft: Stürzt der Client ab oder wird er vom Akku-Optimierer abgeschossen, stirbt sein Schutz mit — genau in dem Moment, in dem der Tunnel verschwindet.

Ein Kill Switch auf Systemebene installiert Regeln in der Firewall des Betriebssystems, die jedes ausgehende Paket prüft — egal, welche Apps gerade laufen. Android hat das eingebaut: „Durchgehend aktives VPN“ plus „Verbindungen ohne VPN blockieren“ lässt das OS selbst jeden Verkehr außerhalb des Tunnels verweigern, sogar bevor die App nach einem Neustart startet. Der grobe Test, um beide zu unterscheiden: die VPN-App beim Surfen zwangsweise beenden — laden die Seiten weiter, wohnt der Schalter in der App.

DNS-Lecks: Anfragen, die den Tunnel auslassen

Ein DNS-Leck heißt: Ihre Namensauflösungen gehen an den Resolver, den Ihr lokales Netz zugewiesen hat — meist den Ihres Providers —, obwohl der Verkehr selbst durch den Tunnel läuft. Websites sehen die VPN-Adresse, aber der Resolver empfängt den Namen jeder Seite, die Sie öffnen — praktisch ein Surfprotokoll. Windows ist der klassische Übeltäter: Mit mehreren aktiven Schnittstellen fragt es unter Umständen alle parallel ab und nimmt die schnellste Antwort.

Die Lösung hat zwei Teile, und ein guter Client macht beide: das System auf den Resolver im Tunnel zeigen lassen und DNS auf jeder anderen Schnittstelle blockieren, damit eine verirrte Anfrage kein Ziel mehr hat. Dann prüfen: Leak-Test laufen lassen und die gelisteten Resolver ansehen — gehört einer davon Ihrem Provider, lecken die Auflösungen.

WebRTC-Lecks: Der Browser verrät Adressen

WebRTC ist die Browsertechnik hinter Videoanrufen, und jede Website kann sie mit ein paar Zeilen JavaScript aufrufen. Um Direktverbindungen aufzubauen, sammelt sie jede Adresse, über die Ihre Maschine erreichbar sein könnte: lokale Adressen und — per Anfrage an einen STUN-Server — Ihre öffentliche. Eine Seite kann diese Kandidaten ohne Ihr Zutun auslesen.

Bei einem Tunnel fürs ganze Gerät läuft die STUN-Anfrage durch den Tunnel und findet die Adresse des VPN. Gefährlich sind die Teillösungen: ein reiner Browser-Proxy oder Split-Tunneling, das den Browser draußen lässt — dort gehen WebRTCs UDP-Pakete direkt raus und verraten Ihre echte IP.

Testen statt spekulieren: Unser kostenloser Check unter /webrtc-leak-test/ zeigt, welche Adressen Ihr Browser gerade preisgibt. Taucht die echte auf, wechseln Sie auf einen Tunnel fürs ganze Gerät oder schalten WebRTC in den Browsereinstellungen ab.

IPv6-Lecks: Der Tunnel deckt nur IPv4 ab

Viele VPN-Konfigurationen transportieren nur IPv4. Liefert Ihr Provider auch IPv6 — die meisten Mobilfunknetze tun das —, behält das System eine funktionierende IPv6-Route außerhalb des Tunnels, und moderne Systeme bevorzugen IPv6, wenn eine Seite beides anbietet. Das Ergebnis ist selektive Bloßstellung: Seiten ohne IPv6 sehen die VPN-Adresse, Seiten mit IPv6 Ihre echte — und ein reiner IPv4-Test meldet, alles sei in Ordnung.

Es gibt zwei saubere Lösungen. Die bessere: ein VPN, das IPv6 richtig behandelt — es neben IPv4 tunnelt oder eine Blockier-Route setzt, sodass IPv6-Pakete verworfen statt direkt gesendet werden. Der grobe Fallback: IPv6 am Gerät oder Router abschalten. So oder so — nachprüfen: Der Leak-Test darf keine IPv6-Adresse zeigen, die nicht dem VPN gehört.

So testen Sie Ihr Setup richtig

Fahren Sie die Checks unter den Bedingungen, die Sie wirklich nutzen — Heim-WLAN, Handy im Mobilfunk, Café-Netz —, denn Lecks hängen vom DNS-Setup und der IPv6-Verfügbarkeit des jeweiligen Netzes ab. Die Routine dauert etwa fünf Minuten:

  • Echte IP bei ausgeschaltetem VPN notieren, verbinden und bestätigen, dass sich die sichtbare IPv4- und IPv6-Adresse beide geändert haben — unser /data-leak-checker/ zeigt IP, DNS-Resolver und WebRTC in einem Durchgang
  • Resolver-Liste prüfen: Jeder angezeigte DNS-Server sollte dem VPN gehören, keiner Ihrem Provider
  • Tunnel absichtlich kappen — WLAN umschalten oder App zwangsweise beenden — und beobachten, ob Seiten laden, bevor er sich neu verbindet
  • Nach OS- oder VPN-App-Updates wiederholen, denn beide können Netzwerkeinstellungen stillschweigend zurücksetzen

Häufige Fragen

Brauche ich einen Kill Switch, wenn meine Verbindung stabil ist?
Ja — die Abbrüche, die zählen, sind die unerwarteten: den Laptop aufwecken, zwischen WLAN und Mobilfunk wechseln, ein serverseitiger Neustart. Stabilität senkt die Häufigkeit der Abrisse, nicht deren Folgen. Der Schalter kostet bei stehendem Tunnel nichts und greift nur im Fehlerfall.
Warum zeigt ein Leak-Test meine VPN-IP, aber die DNS-Server meines Providers?
Das ist das klassische DNS-Leck: Der Verkehr läuft durch den Tunnel, aber die Namensauflösungen gehen weiter an den Resolver, den Ihr lokales Netz zugewiesen hat. Entweder hat der Client den System-Resolver nicht überschrieben, oder das OS fragt mehrere Schnittstellen parallel ab. DNS-Schutz im Client aktivieren, neu verbinden, erneut testen.
Kann WebRTC meine Adresse verraten, obwohl das VPN verbunden ist?
Bei einem Tunnel fürs ganze Gerät in der Regel nicht — WebRTCs Erkundungsverkehr läuft durch den Tunnel und findet die VPN-Adresse. Lecks entstehen in Teillösungen: Browser-Proxys, Erweiterungen oder Split-Tunneling, das den Browser draußen lässt. Ein WebRTC-Test klärt es in Sekunden.
Sollte ich IPv6 einfach komplett abschalten?
Als grobe Lösung funktioniert das, und in Netzen, in denen Ihr VPN IPv6 nicht im Griff hat, ist es die pragmatische Wahl — praktisch jeder Dienst ist weiterhin über IPv4 erreichbar. Die sauberere Antwort ist ein VPN, das IPv6 selbst tunnelt oder blockiert — Schutz ohne Handanlegen an jedem Gerät.
Kappt ein Kill Switch mein Internet, wenn ich absichtlich trenne?
Ein sauber gebauter Client entfernt seine Blockierregeln, sobald Sie auf Trennen drücken — der normale Verkehr läuft sofort weiter; die Blockade gilt unerwarteten Abbrüchen. Manche Clients bieten zusätzlich einen strengeren Modus, in dem ohne stehenden Tunnel gar nichts fließt — nützlich auf einem Gerät, das den Tunnel niemals umgehen soll.
Wie oft sollte ich erneut auf Lecks testen?
Nach allem, was das Netzwerk berührt: einem OS-Upgrade, einem Update der VPN-App, einem neuen Browser, einem unbekannten Netz, geänderten Router-Einstellungen. Jedes davon kann das DNS-Verhalten zurücksetzen oder IPv6 wieder aktivieren. Ein voller Durchgang dauert fünf Minuten — testen Sie also in jedem neuen Netz und nach Updates statt nach Kalender.

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